1918: Helden der Demokratie waren Sozialdemokraten

Feiern die Helden der Sozialdemokratie: Traunsteins Oberbürgermeister Christian Kegel (v.l.), stv. Unterbezirksvorsitzender Sepp Parzinger, Fraktionsvorsitzender Markus Rinderspacher, MdL Günther Knoblauch und stv. Landrat Josef Konhäuser. Foto: Büro Knob

26. Februar 2018

Am 8. November begeht Bayern ein großes Jubiläum – 100 Jahre Freistaat Bayern, ausgerufen durch den unabhängigen Sozialdemokraten Kurt Eisner. Das hat der SPD-Landtagsabgeordnete Günther Knoblauch zum Anlass genommen Vertreter aus Vereinen, Verbänden, Behörden, Wirtschaft, Gewerkschaften, Ehrenamt und Kommunalpolitik zum Empfang „100 Jahre Freistaat - Zukunft in Bayern“ einzuladen. Knapp 100 Teilnehmer verfolgten das Impulsreferat des Fraktionsvorsitzenden der BayernSPD im Landtag Markus Rinderspacher am Freitagabend im Bräustüberl in Traunstein. Günther Knoblauch hob hervor, dass ehrenamtlich tätige Bürgerinnen und Bürger eine wichtige Stütze der Gesellschaft seien. „Unsere Lebensqualität hängt davon ab, wie sich Menschen vor Ort engagieren.“

Rinderspacher ließ die Ereignisse der Nacht vom 7. auf den 8. November 1918 Revue passieren, als im Zuge der größten Demonstration auf bayerischen Boden über 100.000 Menschen auf der Theresienwiese in München das Ende des 1. Weltkriegs und das Ende der Monarchie in Bayern forderten. In dieser Nacht rief Kurt Eisner in einer unblutigen Revolution den Freistaat Bayern aus. Er führte in den Folgejahren die Bayerische Verfassung, das allgemeine Wahlrecht auch für Frauen, den 8-Stunden-Tag und viele weitere demokratische Errungenschaften ein, die Bayern bis heute prägen. Vieles, was heute selbstverständlich erscheint, wurde unter maßgeblicher Mitwirkung von Sozialdemokraten errungen“, betonte Heimatabgeordneter Günther Knoblauch.

Heute ist die Demokratie in Bayern zwar institutionell gefestigt, so Rinderspacher, aber brüchig: „Die Menschen verspüren Sehnsucht, einem starken Führer hinterherzulaufen.“ Aus Politikverdrossenheit sei Parteimüdigkeit und Demokratieskepsis geworden – eine gefährliche Entwicklung. Die Bürger sehen Politiker nur mehr als Marionetten der Wirtschaft und Großkonzerne. Dem müsste eine „Globalisierung der Gerechtigkeit“ entgegengesetzt werden, mehr Dialog, Bürgerforen und Stärkung der Kommunen, auch finanziell. „Demokratie muss wieder von unten nach oben stattfinden.“ Auch für seine Partei fand er deutliche Worte: Die SPD müsse zu ihren Wurzeln zurückkehren, weniger Staatspartei, mehr soziale Demokraten, unmittelbar vernetzt mit der Bevölkerung – und nach dem Motto Willy Brandts wieder „mehr Demokratie wagen“.

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